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1. Dez
Fre

Also so war’s mit Goethes Brot – und dem Busen

Auf der Jagd nach einer klassischen Anekdote betreffend den ehrenwerten Herrn von Goethe fand ich das Gedicht “Wer nie sein Brot mit Tränen aß” und war völlig überrascht, dass es, neben der mir bereits bekannten ersten Strophe, noch eine zweite besaß. (Nachtrag: Offenbar ebenso eine Dritte; Mehr dazu hier.) Hier der Text:

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr lasst den Armen schuldig werden,
Dann überlasst ihr ihn der Pein,
Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.

Ihm färbt der Morgensonne Licht
Den reinen Horizont mit Flammen,
Und über seinem schuld’gen Haupte bricht
Das schöne Bild der ganzen Welt zusammen.

Da sich meine Erinnerung soeben mutwillig zu Worte meldet, rezitiere ich einen Satz aus meiner Vergangenheit. “Wer nie sein Brot im Bette aß, weiß nicht, wie Krümel pieken.” Dankeschön.

Worum es mir aber eigentlich ging, war, wie bereits erwähnt, die folgende, offenbar verbreitete Anekdote: Es heißt, Goethe sei einmal bei wohlhabenden Herren (und Damen) zu Gast gewesen. Der Gastgeber habe ihm eine Wette vorgeschlagen, dass er zwei Worte geben könne, auf welche Goethe kein Gedicht zu schmieden wüsste. Goethe ging die Wette ein und bekam sodann die Worte “Mädchenbusen” und “Haustürklingel” zu hören. Es heißt, er habe sich daraufhin zurückgezogen und sei nach kurzer Zeit mit folgendem, halben Sonett zurückgekehrt:

Die Haustürklingel an der Wand,
der Mädchenbusen in der Hand
sind beides Dinge wohlverwandt.

Denn, wenn man beide leis’ berührt,
man innen drinnen deutlich spürt,
dass unten draußen einer steht,
der sehnsuchtsvoll nach Einlass fleht.

Eine gelungene Portion Wortwitz und herrlicher Humor und das als Sofortmischung (nur ohne Wasser) – unglaublich. Vielleicht sollte ich mehr Goethe lesen.

3 Antworten zu „Also so war’s mit Goethes Brot – und dem Busen”

  1. #1~Christopher

    Da stellt sich mir doch die Frage, inwiefern es zu Goethes Zeiten denn schon Haustürklingeln gab, die man nur leis’ berühren musste, um innen drinnen deutlich zu spüren, dass unten draußen einer sehnsuchtsvoll nach Einlass fleht. ^^

  2. #2~Mac

    Mensch, lass ihm doch die dichterische Freiheit. :) Abgesehen davon, vielleicht hatten Goethes Gastgeber ja einen Bediensteten für genau diesen Zweck: Leidenschaftlich auf die Klingel zu achten, die leiseste Regung sofort zu vermelden! ;)

  3. #3~zafire

    es gab zu gothes zeit auch schon klingeln nur halt nicht elektronisch sondern mechanisch… wie die menschen auf so simple sachen nicht kommen, so sehr an technik gewöhnt, dass man sich nicht mehr vorstellen kann wie es mal ohne funktioniert hat^^