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20. Mai
Die

Die wahrscheinlich älteste Fan Fiction der westlichen Welt

Ich habe mit Religion nicht viel am Hut. (Außer einer, bloß dass die eigentlich auf Nudeln basiert.) Und ich komme auch ganz gut zurecht damit – Aber irgendwie denkt man ja doch drüber nach.
Anlass war folgendes Bild, über dass ich eben gestolpert bin:

Jesus/Satan Facebook sign

Eigentlich nicht weiter wild – und so richtig komisch fand ich’s auch nicht; Es endete dann allerdings damit, dass ich darüber nachdenken musste, ob so ein Herr Satan – mal angenommen, es gäbe ihn – überhaupt wirklich irgendein Interesse daran hätte, mich zu zerstören. Sofern mein zugegebenermaßen beschränkter Wissensstand über das alte Testament das richtig wiederspiegelt, war Satan zumindest dem Christentum zufolge nach ein Engel, der gegen Gott rebellierte. Selektive Wahrnehmung meinerseits, aus ‘Satans Motive zur Rebellion gegen Gott. Überschätzung seiner Macht.‘:

Satan und seine Anhänger wollten also nicht nur die Ordnung Gottes übertreten, sondern vor allem Gott nicht als jenen Herrn anerkennen, der allein alle Heiligkeit, Macht, Kraft und Weisheit besitzt, weil sie letztlich immer nur von ihm ausgeht. Stattdessen war es Satans oberstes Ziel, Gott sich untertänig zu machen und dann die Alleinherrschaft zu besitzen.

Grundsätzlich ging es also um einen Regierungssturz, der dann nach hinten losging. Eine Regierung zu stürzen und eine andere einzusetzen ist ja nun allerdings nicht zwangsläufig etwas schlechtes. Sicher, da haben wir den Hitlervergleich (und der hatte auch seine Gefolgschaft),sowie Systeme, die Regierung zugunsten der Einführung eines Sozialismus umkrempelten (von denen man, bis auf wenige Ausnahmen, auch nur Horrorstories hört) – und natürlich die USA, die sich in soetwas ja unter der Prämisse der Demokratisierung unterdrückter Staaten auch häufiger zu üben scheinen; Dass die nun allerdings nicht unbedingt ein Paradebeispiel ist, sehe ich allerdings ein.

Nun kenne ich die Beweggründe Satans nicht, aber aus diesem Sachverhalt allein kann ich nicht trotzdem erkennen, ob er mich wirklich vernichten wollen würde.

Ein anderes, gern gebrauchtes Bild ist der Seelentausch: Satan tut dir einen Gefallen im Austausch dafür gibst du allerdings seine Seele auf. (Um dann nach einem unschönen Ableben genüsslich kross gebraten zu werden; Wer jetzt an CDU und SPD denkt ist selber schuld.) Auch das ist doch aber im Grunde nur ein ordentlicher Tauschhandel mit lediglich fürchterlichen Konditionen, ein bisschen wie Tanken heutzutage. (Oder rauchen, aber da ich nicht rauche habe ich auf dem Ohr kein Mitleid. Tausche Geld und Lunge gegen Dreck und Krebs. Bescheuert Einfall, wirklich.)

Auf der Gegenseite haben wir den Sohn, Jesus, und dessen Herren Vater. Im Grunde hat man hier einen Freifahrtschein ins Paradies (Jesus am Kreuz für die Sünden der Menschen und so), die Bedingung dafür ist allerdings – so wird es jedenfalls für gewöhnlich kommuniziert – der Glaube an Jesus oder Den Herren. Du bekommst, wenn du etwas gibst – deinen Glauben, deine Liebe oder wie manche S-Bahn-Werbeaufkleber in Berlin uns erzählen, dein Leben in Gottes Hand.

Im Grunde also das gleiche Konzept wie bei Satan; Gib deine Seele und bekomme ein Stück Ewigkeit dafür. Bei Satan die Hölle, bei Gott das Paradies. Wenn man allerdings mal kurz darüber nachdenkt, kann man schwerlich behaupten, dass irgendwer wissen könnte, wie es im Paradies oder in der Hölle wirklich aussieht – schließlich kommt in beiden Fällen niemand zurück. Es beruft sich also alles auf Propaganda der gleichen Art:

  • Im Himmel ist alles gut und schön + es gibt jeden Tag Eierkuchen mit Apfelmus (die Unannehmlichkeiten des Diesseits werden wir im im Jenseits schon wieder ausgleichen)
  • Im Kapitalismus kannst du alles haben, was du willst, wenn du dich nur anstrengst
  • Im Kommunismus werden die Menschen ausgebeutet
  • In der Hölle wirst du geröstet + musst den ganzen Tag mit Zwiebelsaft gurgeln (die Annehmlichkeiten im Diesseits wirst du dafür aber teuer bezahlen müssen)

Was sich mir da aufzwängt ist im Grunde folgendes:

  • Ansicht eins:
    1. Gib (“deine Seele”) für deinen Herren und dafür wird er dir (beizeiten) etwas geben.
    2. Gibst du nicht für deinen Herren, bekommst du nicht nur nichts, du wirst du das auch teuer bezahlen müssen.
  • Ansicht zwei:
    1. Unter der Voraussetzung einer Gegenleistung, die du zu erbringen hast (“deine Seele geben”) , bekommst du etwas.
    2. Gibst du nichts, bekommst du auch nichts.

    Ich weiß nicht, vielleicht habe ich ja etwas grundsätzlich falsch verstanden, als ich im Sozialkunde-/Politik-/Geschichtsunterricht nicht aufgepasst habe, aber …

    Ansicht eins klingt in meinen Ohren sehr nach kapitalistischen Grundzügen: Arbeite, dann bekommst du etwas. (Oder auch nicht, das werden wir später über deinen Kopf hinweg entscheiden) Wenn du nicht arbeiten willst, werden wir uns schon etwas für dich einfallen lassen – aber es wird dir sicher nicht gefallen. Wenn du deinem Herren etwas geben willst, ohne dafür etwas zu bekommen, ist das natürlich auch gerne gesehen. Wenn du anderen etwas geben willst, schadest du deinem Herren und dann würden wir uns etwas für dich ausdenken müssen.

    Ansatz zwei klingt für mich irgendwie kommunistisch: Du bekommst etwas vom Volk, dafür gibst du etwas für das Volk. Wenn du nichts für das Volk geben willst, dann bekommst du auch nichts vom Volk. (Nun gut: Oder wir denken uns etwas für dich aus, aber das wird dir nicht gefallen, weil du ja eben nichts geben willst.) Wenn du anderen etwas geben willst – egal wem – ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen, müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob wir dir dafür nicht doch etwas geben.

Wenn man es mal so betrachtet, dürfte auch klar sein, wieso Satan gegen Gott rebelliert hätte; Und wenn man es historisch betrachtet, hat sich ein Sozialismus, geschweige denn ein Kommunismus in unseren Regionen nur schwer durchsetzen können, weil der Kapitalismus einfach am längeren Hebel war. (Und weil manche Personen dazu noch zunehmend Angst vor Veränderungen bekamen; Mit welcherlei Grundgedanken auch immer)

Nun komme ich also zu dem Schluss, dass ich nicht sicher sagen kann, ob Jesus nun wirklich mein Freund sein will (oder vielleicht einfach nur so tut, weil er meine Seele für die Tagesendabrechnung braucht), geschweige denn dass Satan mich vernichten möchte.

Wie gesagt, ich fand das Aufmacherbildchen nicht wirklich lustig. Ich konnte lediglich deswegen schmunzeln, weil ich Facebook wiedererkannt zu haben glaube. Das ist ein bisschen wenig geliefert, finde ich, und deswegen musste ich dem Bild auch einen Daumen runter reindrücken. :roll:

Post Scriptum:

Um eines abschließend noch klar zustellen: Da ich weder Gott, noch Satan entfernt, geschweige denn persönlich kenne, habe ich auch keine entfernte oder persönliche Meinung über die beiden.
Da fällt mir ein, letztens standen ein paar Zeugen Jehovas vor meiner Tür. Obwohl ich denen ja grundsätzlich offen gegenüber stehe, haben die nach meinem “Kein Interesse” mit einem “In Ordnung. Dann einen schönen Tag noch.” reagiert – die haben nicht mal versucht, mich zu belästigen. Die sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

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