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    www.flickr.com
11. Mrz
Mit

Fotos, Feedback und Bildkritik

Fotografiert habe ich ja schon früh – in dem Sinne, dass ich mit der Kamera irgendwo draufgehalten und den Auslöser gedrückt habe, ernst genommen habe ich das Thema so ab 2005. Ich bin ganz sicher nicht der kreativste Junge auf der Erde (und werde wohl auch nie ein zweiter Helmut Newton, Ansel Adams und wie sie nicht alle heißen) aber ich bin ganz sicher jemand, der im Rahmen seiner Möglichkeiten bestrebt ist, besser zu werden. Nur ist das so eine Sache, mit dem Besserwerden.

Wieso überhaupt Kommentare?

Ein großer Teil ist wohl Übung, je besser man sein Werkzeug kennt, desto besser kann man damit arbeiten. (Wer bereits einmal versucht hat, mit einem Copic-Marker auf normalem Papier eine Fläche gleichmäßig und im gleichen Ton auszufüllen, der ahnt wovon ich rede.)
Ein anderer, wesentlicher Teil ist Feedback, die Rückmeldung vom Betrachter. Jemand hat einmal gesagt, dass man nur dann wirklich glücklich werden kann, wenn man aufhört, seine Fotos für andere machen zu wollen. Erst, wenn man sich loslöst von dem Bestreben, es allen Recht zu machen, könne man wahre Glückseligkeit erreichen. Eines meiner Lieblingswörter in diesem Kontext ist ‘Ersatzbefriedigung‘ – veröffentlicht man am Ende seine Bilder nur, um positive Rückmeldungen zu erhalten?

Von meinen eigenen Bildern auf Flickr kann ich erkennen, dass es für jedes Thema seine Zielgruppe gibt. Die einen mögen die nächtlichen Stadtlandschaften, die nächten stehen auf schwarz-weiß-Streetfotografie, wieder andere mögen alles, hauptsache es ist bunt. Entsprechend häufen sich die Kommentare – oder bleiben aus. Genau dieses Ausbleiben von Kommentaren ist es, was mir Sorgen bereitet.

Nicht kommentieren – doch kommentieren

Nehmen wir einmal an, ich stünde vor einem Zeitungsstand. Dort werden vielerlei Zeitungen verkauft, vom Revolverblatt, über die Bild, bis hin zur Frankfurter Allgemeinen, daneben noch ein paar Magazine zu bestimmten Themen, Autoreifen, Videospiele, Fotografie. Es ist nur natürlich, dass ich wenig Zeit auf die Dinge verschwende, die mich nicht interessieren. Ich lasse meinen Blick zwar über die Bild schweifen, um zu sehen, was jetzt gerade wieder Thema ist, aber kaufen würde ich sie mir nicht; Ebensowenig wie Comics, Modellbau- und Musikmagazine, Hefte über Autotuning – alles nicht mein Thema. Schlimmer noch, manches mag ich nicht einmal. Stattdessen kaufe ich mir die monatliche Ausgabe der Fotografie, ab und zu nehme ich eine FAZ mit und damit ist die Sache gegessen.
Mit meinem Kauf gebe ich mein Interesse an der Zeitschrift kund.

Das Interesse an einem Format wird vermutlich durch die Verkaufszahlen festgestellt, so ganz übertragen kann man es aber nicht; Wenn ich nicht gerade regelmäßig beim Zeitungsstand vorbeisehe und Geld dabei habe, werde ich mir eine Zeitschrift so oder so nicht kaufen (können).

Übertragen auf die Foto-Communities im Netz heißt das, dass ich lediglich anhand der gegebenen Kommentare diejenigen Leute abzählen kann, die sich für ein spezielles Foto, oder meinetwegen dessen Thema interessieren – nicht aber andersherum. Wer weiß, wie viele Leute ein Bilder gesehen, aber kein Interesse daran hatten? Wieviele Leute haben ein Bild nicht kommentiert, weil sie es schrecklich, inhaltslos oder schlichtweg schlecht fanden? Was waren ihre Gründe?

Wie kann ich ein Bild besser machen? Nicht, um mehr Kommentare zu erhalten – um meiner selbst willen, um meine Fähigkeiten zu verbessern.
Ich höre oft, dass viele Künstler zu ihrer Zeit nicht verstanden wurden. Ich sehe mich nicht als Künstler, auch nicht als Fotografen. Ich will es auch nicht jedem Recht machen. Ich möchte nur wissen, wo Leute Schwachstellen sehen. In der Komposition, im Grundgedanken, in der Herangehensweise, in der Umsetzung, usw.

Prinzipiell mache ich meine Bilder natürlich für mich selbst. Ich bin an der frischen Luft, genieße die (Stadt)landschaft und kann mich ablenken. Ich denke allerdings ebenso, dass es wenig Sinn macht, seine Bilder in einer Kiste in der Ecke verstauben zu lassen, wenn man andere daran teilhaben lassen kann. (Ich erinnere mich an Abende in meiner Kindheit, an denen wir alte Fotos durchgesehen haben. Ich fand es fürchterlich! Gottseidank ist die Teilnahme an Diensten wie Flickr nicht obligatorisch. :))
Meine erste Erfahrung durfte ich mit der fotocommunity sammeln; Das Rezept schien dort wirklich “Auge um Auge” zu sein, ein positiver Kommentar bei mir führt zu einem positiven Kommentar bei dir, ein negativer Kommentar direkt zu einer Sperre. Die zweite Station war die Newsgroup de.rec.fotografie, dort war es bisweilen schwierig, überhaupt ein positives Wort in einer Bildkritik zu finden – einen Vorteil gab es aber doch: Die Kritiken waren allesamt ehrlich. Ungefiltert und direkt, aber unverfälscht. (Eine humoristische, aber nicht vollkommen falsche Abhandlung zur fotocommunity und d.r.f. findet sich übrigens bei den Buxtehuder Fotofreunden)

Inzwischen bin ich bei Flickr gelandet. Matze vom indivisualist-Blog hat es letztens sehr treffend formuliert: Es handelt sich um ein Online-Fotoalbum. Kaum jemand kommt bei einem Fotoalbum auf die Idee, kritisierende Kommentare abzugeben. Trotzdem gibt es eine handvoll Leute, die auf ihren Profilseiten bekanntgeben, dass sie gerade erst mit der Fotografie begonnen haben und über hilfreiche Kommentare dankbar sind; Wieder andere schreiben, sie freuten sich über Kritik. (So auch ich)
Meistens, sagt die Erfahrung, bleiben kritische Kommentare trotz aller Bitten aus.

Reibepunkte

Dann, am Dienstag, habe ich in ein Wespennest gestochen. Nach der Entdeckung der Gruppe “Criticism Welcome” dachte ich, ich wäre im Paradies angekommen. Eine Gruppe, die als Signal für Kritikwünsche gilt – du postest dein Bild in der Gruppe, Besucher sehen den Titel, wissen, dass sie sagen dürfen, was sie wollen – bingo. Es gibt keine Regeln (Flickr-Gruppen sind ja durchaus berüchtigt für ihre Poste-eines-Kommentiere-20-Reglementierungen), keine Verbindlichkeiten. Perfekt.
Mein erster, kritischer Kommentar auf ein Bild wurde direkt gelöscht und handelte mir im Gegenzug einen Hasskommentar ein.

V. H. - Amsterdam vermelha

Wer ich eigentlich denke, der ich sei, hieß es in der Antwort. Meine Bilder seien nicht halb so gut, wie ich glauben würde. Wenn ich etwas nicht verstünde, solle ich einfach nicht kommentieren. Und überhaupt, wo bei meinem Bild die Aussage sei, warum der Fokus so und nicht anders wäre; Ich solle gefälligst konstruktiv kritisieren.

Rechtfertigen konnte ich mich nicht mehr, denn zu diesem Zeitpunkt hatte mich derjenige bereits geblockt. Was war falsch gelaufen?

Hatte ich das Bild wirklich falsch verstanden? Hätte ich nicht kommentieren sollen? Hätte ich (noch) freundlicher sein sollen? Klang ich möglicherweise besserwisserisch?
Wieso diese heftige Reaktion? Was wäre eine bessere Reaktion gewesen?

Nun, die Voraussetzungen waren nicht die Besten: Ich mag nur eine Handvoll der üblichen HDR-Bilder. Wie ich im Nachhinein herausfand, ist das Original des Bildes ebenfalls im Fotostream des Mitgliedes zu sehen. War es also nur ein Experiment? (Wenn ja, hätte er es nicht sagen können?) Habe ich die Intention wirklich nicht verstanden? (Hätte er es nicht erklären können?)

Mein Kommentar belief sich durchaus auf die Qualität des Bildes, allerdings hatte ich klargestellt, dass es sich um meine persönliche Ansicht zu allen Bildern dieser Art handelte. Dann ging ich auf die Komposition ein, die mir grundsätzlich gefällt. Ich schrieb, dass der Fokus meines Erachtens besser gesetzt sein könnte; Dass ich denke, dass die gesamte Blüte im Fokus stehen und insgesamt etwas mehr Gewicht im Bild haben könnte. Dann schlug ich zwei Möglichkeiten vor, wie man das hätte erreichen können.

Vielleicht war das ein Fehler, möglicherweise hat das den Eindruck erweckt, ich wüsste es besser als er. Ich sehe ein, dass ich das ebenfalls ungern sehen würde – vorausgesetzt natürlich, ich habe mir Gedanken über das Bild gemacht.
Ich tue das grundsätzlich, es sei denn ich fotografiere gerade Tauben oder vergleichbar spannende Motive.

Taube im Schnee - ein Kunstwerk

Ansatzpunkte zur Kritik? “Dieses Bild hat keine Aussage”. Ich würde das Bild allerdings auch nicht zur Kritik stellen. Läuft außer Konkurrenz, sozusagen. :)

Vielleicht bin ich auch einfach nur an einen Deppen die falsche Person geraten. Ich kann es nicht herausfinden, er hat mich blockiert.

Richtig kritisieren?

Wenn man nun all dies in Betracht zieht, wie kommentiert und kritisiert man nun richtig?

Es wird gerne angemerkt, dass konstruktive Kritik erwünscht ist. Eigentlich versteht sich das von selbst, denn das damit hervorgehobene Gegenstück, destruktive Kritik, zielt lediglich auf den Verriss und die Zugrunderichtung eines Gegenstandes ab. Es sollte klar sein, dass man niemanden darum bittet, beleidigend zu werden.
Ich lese auch häufig, man solle anmerken, wie man es besser machen könne. Ich denke allerdings, das ist nicht immer Sinn und Zweck der Sache? Nehmen wir an, ich versuchte einem Profifotografen zu erklären, wie er den Fokus richtig zu setzen hätte. (Das geht wohl in die Hose.) Reicht es nicht eigentlich auch aus, festzustellen, was falsch ist? Möglicherweise hilft es mangels Lösungsansatz nicht unmittelbar weiter, aber es gibt zumindest ein Ziel vor, ein Problem, das man beim nächsten Mal gezielt addressieren kann.
Was ist die Voraussetzung für Kritik? Muss ich selbst ein Meister sein, um kritisieren zu dürfen? Ist meine Kritik null und nichtig, wenn ich es nicht bin?
Wenn jemand zu mir sagt, meine Bilder seien bescheiden und ich stelle fest, dass er selbst nicht in der Lage ist, besseres zu produzieren, dann bin ich selbstverständlich geneigt, mir eine eigene Meinung über die Nützlichkeit der Kritik zu bilden. Nichts desto trotz sagt ein schönes Sprichwort, der Lehrer lerne von seinen Schülern. Vermutlich kommt es nicht von ungefähr. Wo zieht man also die Grenze?

Im Blog von Zack Arias gab es vor einigen Tagen eine interessante Zusammenfassung:

My Rules For Critique :

1. Tell you what you are doing right without patronizing you.
2. Tell you what you need to work on without holding your hand.
3. Give you a goal.

und weiterhin:

Rules For You :

1. Don’t take it personally.
2. Don’t make excuses.
3. Don’t say, “Well, my client was happy with it.” See number 2.

Ich denke – und erinnere mich an de.rec.fotografie – er hat Recht: Keine Entschuldigungen. Man hat sich möglicherweise etwas gedacht, aber dass ändert nichts an der Wahrnehmung durch andere. Wenn man den kritisierten Aspekt gewünscht hat, zum Beispiel durch absichtliches Brechen der üblichen Normen (Die Missverstandener-Künstler-Argumentation), dann ist die Kritik ohnehin hinfällig. “Danke”, und abgehakt.
Wenn die Kritik dagegen berechtigt ist, wozu dann herausreden?

Zack Arias schreibt:

I’ve had critiques of my work where I walked away fighting back tears because all that was important to me was ripped to shreds. [...] Critique isn’t to make you feel warm and fuzzy. It is a tool to help you learn and grow. Remember that.

Was denkt ihr? Wie seht ihr das mit der Kritik? Wünscht ihr welche oder ist es euch egal? Was sind eure Voraussetzungen? Wie reagiert ihr auf Kritik?
Ich freue mich über eure Reaktionen.

4 Antworten zu „Fotos, Feedback und Bildkritik”

  1. #1~Victor Herege

    I find that you are sensitive excessively, my commentary was not raging. The commentary that you did not add much thing and the commentary was not in respect to this photo specifically… Did you think that I was not to find this blog?
    But I found and I am here for clarifying
    you are exaggerating and distorting the reality for the lecturers and for yourself.
    If the commentary had been constructive I would not have answered nothing next to something raging as you mentioned

    Ich finde, dass Sie übermäßig empfindlich sind, mein Kommentar raste nicht. Der Kommentar, dass Sie nicht viel Sache und den Kommentar hinzufügten, war nicht in Bezug auf dieses Foto speziell… Dachten Sie, dass ich nicht dieses Blog
    Aber ich fand und ich bin hier für die Klärung
    Sie sind, verzerrend übertreibend und die Wirklichkeit für die Lektoren und für selbst.
    Wenn der Kommentar konstruktiv (Übersetzungs-Software)

  2. #2~Markus

    Hi Victor! Unfortunately I cannot cite my original comment on your photo (as you know, you deleted it and Flickr doesn’t save comments given by myself). On the other hand, Flickr does send mails on new comments, thus I am able to cite your reaction to prove my point. The reason I did not do that is the same reason I did not provide a link to your photostream: So that search engines would not relate this article to your name or photos.

    Anyway, this article is not about you and me in the first place. That event was in fact but a trigger for this article. This is about a general problem, namely that people tend to not provide an honest and upright reaction to photos they don’t like and that, because of that, the feedback given to a specific photo is biased in the best case or simply useless – noisy – in the worst. I would rather like a single comment saying what he doesn’t like than 20 comments saying “cool”.

    Questions?

  3. #3~Stefan

    Großartig geschrieben, ich sehne mich nach “wirklicher” und “konstruktiver” Kritik um mich weiterzuentwickeln und wurde wie du weil ich meine Meinung abgegeben(beim Admin) habe sogar komplett aus einer Flickr Gruppe gekickt. Ich werde den Blog weiter verfolgen….

  4. [...] Bericht auf 2x1_10  ist mehr als [...]